Tobias

Grundlagen zum Nachhaltigen Investieren – Ein Gastbeitrag von Beyond Saving

Die ESG Kritereien

Hallo zusammen,

heute veröffentliche ich einen Gastbeitrag von Carlos von Beyond Saving. Es geht um Grundlagen zur nachhaltigen Geldanlage, die ja auch schon in meinem Blog mit dem Charity-Depot öfter Thema war.

Möchtet ihr hier auch einen Gastbeitrag veröffentlichen ? Schreibt mir unter info@langfristig-gedacht.de.

Ich wünsche euch viel Spaß damit.


Nachhaltig Investieren

Nachhaltigkeit hat sich längst zum Trendthema in der Finanzbranche entwickelt. Nicht nur ethische Girokonten, sondern auch Investments in Unternehmen, die mit ihren Lösungen globale Herausforderungen bekämpfen, werden immer stärker von privaten Anlegern nachgefragt.

Auch der weltweit größte Vermögensverwalter BlackRock wird laut eigenen Aussagen zukünftig seinen Fokus auf nachhaltige Finanzprodukte setzen.

„Der Klimawandel ist für die langfristigen Aussichten von Unternehmen zu einem entscheidenden Faktor geworden“

  • Larry Fink, Vorstandsvorsitzender (BlackRock)

Während viele Anleger bislang ihre Anlageentscheidungen anhand der der finanziellen Qualität der Unternehmen trafen, achten sie heute vermehrt darauf, wen sie eigentlich mitfinanzieren.

Um Gewinne zu maximieren, scheinen manchen Unternehmen nämlich viele Mittel Recht. Umwelt-Skandale, ungesunde Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit in der Textilfertigung werden jedoch nicht mehr toleriert.

Unternehmen müssen umdenken.


Nachhaltig Investieren auf Basis der ESG-Kriterien

Bestimmt denkst du beim Thema Nachhaltigkeit direkt an Klimawandel, Plastikmüll und Wasserknappheit.

Und auch wenn das Thema Umwelt (Environment) mit Sicherheit einer der wichtigsten Bereiche ist, gehört zu einem nachhaltigen Unternehmen mehr.

Denn Nachhaltigkeit kennt noch zwei weitere wichtige Dimensionen: nämlich die der sozialen Verantwortung (Social) von Unternehmen sowie eine kontrollierte und transparente Unternehmensführung (Governance).

Diese drei Aspekte werden häufig mit ESG abgekürzt – und erst, wenn sie sich vereinen, ist das Unternehmen per Definition nachhaltig.

Die ESG Kritereien


Problem: Nicht überall wo „Öko“ draufsteht, ist auch Öko drin

Das Problem: Aktuell existieren noch keine einheitlichen Standards bzgl. der Frage, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltig gelten und welche nicht.

Verbraucher können nur schwer nachvollziehen, welche Auswahlkriterien ein Fonds bei der Auswahl der Aktien ansetzt. Dabei ist mehr Transparenz dringend notwendig, um langfristig nur solche Unternehmen zu unterstützen, die eine engagierte Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen.

Dies hat auch die Europäische Union (EU) unlängst erkannt und entschieden, dem Greenwashing mancher Unternehmen und Fondsmanager ein Ende zu bereiten.

Seit inzwischen über zwei Jahren arbeitet die EU an einheitlichen Regelungen, die tatsächlich nachhaltige Finanzprodukte von solchen unterscheiden soll, die sich unter dem grünen Deckmäntelchen verstecken.

Ende 2019 haben sich der Ministerrat der EU und das Europaparlament auf eine entsprechende EU-Verordnung geeinigt, die europaweit definieren soll, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltig gelten – und welche nicht.

Doch auch hier wurde schnell klar, wie weit die moralischen Vorstellungen auseinander gehen können. Stichwort Atomkraftwerke.

Während Frankreich, das den größten Teil seines Stroms aus Kernenergie bezieht, den Atomstrom als grüne Anlage kennzeichnen will (da es keinen CO2 Ausstoß verursacht), stellen sich Länder wie Deutschland oder Österreich strikt dagegen.


Die Vor- und Nachteile beim nachhaltigen Investieren

Nachhaltiges Investieren hat den großen Vorteil, dass Kapital den Unternehmen zufließt, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen aktiv einen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz leisten und faire Arbeitsbedingungen schaffen.

Mit einer „grünen“ Geldanlage können Anleger das Image solcher Firmen stärken, was wiederum eine positive Signalwirkung auf andere Unternehmen mit sich ziehen kann.

Damit kommen wir auch direkt zu unserem ersten Vorteil.


Der Druck auf Unternehmen wächst 

Die gute Nachricht ist: Schon jetzt sehen sich viele Unternehmen gezwungen, ihre eigenen moralischen Grenzen noch mal neu zu überdenken – und auf ihre grünen Lippenbekenntnisse Taten folgen zu lassen.

Nicht nur Anleger, sondern gerade die eigenen Kunden fordern verstärkt nachhaltige Alternativen. Unternehmen werden auf diese neue Nachfrage reagieren müssen, um ihr Geschäft weiterhin am Laufen zu halten. Denn auch Investoren fordern ein Umdenken.

Diesem Druck werden sich die meisten Firmen beugen müssen – ob sie wollen oder nicht.


Ethische Geldanlage für einen ruhigen Schlaf

Ethisch zu investieren, hat einen weiteren Vorteil für Anleger: Sie schlafen ruhiger. Denn wer seinem Bauchgefühl folgt und aus Überzeugung lieber reinen Gewissens investiert, wird langfristig ein gutes Gefühl bei der Geldanlage haben – und dabeibleiben.

Viele Anleger gaben in Umfragen der Fondsgesellschaft BlackRock 2019 an, dass ihnen die Unterstützung nachhaltiger Unternehmen wichtiger sei als die Aussicht auf hohe Renditen.

Das ist eine äußerst spannende Entwicklung.


Nachhaltige Fonds sind riskanter 

Diversifikation ist das einzige „free lunch“ beim Investieren. Je breiter du deine Geldanlage streust, desto besser ist dein Rendite-/Risiko Verhältnis.

Hier liegt einer der Nachteile beim nachhaltigen Investieren.

Denn im Vergleich zu einem Investment in einen breiten, weltweiten Aktienmarkt werden ganze Branchen aus dem Portfolio aussortiert. Das geht zu Lasten der Diversifikation – sprich: Das Risiko wird weniger breit gestreut und steigt dadurch.

Theoretisch zumindest, denn ein Blick auf die Zahlen deutet auf das Gegenteil hin. Die nachhaltige Variante des MSCI World Index, der MSCI World SRI hat in den vergangenen 10 Jahren ein leicht höhere Rendite, bei leicht geringerem Risiko erzielt.

Schau dir dazu einmal die folgende Grafik an.

MSCO World ESG vs. MSCI World Classic


Höhere Kosten 

Der Punkt ist selbsterklärend.

Für die Zusammenstellung eines nachhaltigen Portfolios, müssen Fondsgesellschaften deutlich mehr Aufwand investieren.

Zusätzlich zu den klassischen Auswahlkriterien, müssen sogenannte ESG-Analysen durchgeführt werden, mit denen Index-Anbieter sicherstellen, welche Unternehmen sie „aussortieren“ müssen.

Das bedeutet in den meisten Fällen einen erhöhten Aufwand, den sich die ETF Anbieter mit höheren Kosten für den Verbraucher bezahlen lassen.


Mehr Zeitaufwand 

Wer sich ein moralisch vertretbares Portfolio zusammenstellen will, muss deutlich mehr Zeit in die Auswahl investieren.

Der Marktanteil nachhaltiger Indexfonds ist mit ca. 3% zwar noch immer ein Nischenprodukt, dennoch gibt es schon jetzt unzählige “grüne” Varianten.

Alleine der Indexanbieter MSCI hat von seinem Index MSCI World bereits zahlreiche “grüne Tochter-Indizes” herausgegeben. Sie heißen MSCI World ESG Leaders Low Carbon, MSCI World ESG Screened oder MSCI World SRI. Die Unterschiede sind sehr klein.

Sich bei dieser Menge an Angeboten für den zur persönlichen Definition von Nachhaltigkeit passenden Index zu entscheiden, kostet Zeit. Und die wiederum bekanntlich Geld.


Welche nachhaltigen Anlagen kommen in Frage?

Wir empfehlen bei der ethischen Geldanlage grundsätzlich auf sogenannte Aktien-Indexfonds (ETFs) zu setzen, die nachhaltig ausgerichtete Aktienindizes abbilden.

Warum einen breiten Marktindex folgen? Unsere Analyse hat gezeigt, dass Anleger, die in der Vergangenheit beliebige 15 Jahre lang im Weltaktienindex investiert waren, niemals Geld verloren haben.

Wichtig bleibt ein langfristiger Anlagehorizont, um kurzfristige „Krisen“ auszusitzen und langfristig gute Renditen zu erzielen.


Nur zwei gute nachhaltige Aktienindizes

Im Mai 2020 haben wir uns zahlreiche Aktienindizes am Markt angeschaut, die in die Kategorie “nachhaltig” fallen.

Aus hunderten von unterschiedlichen Angeboten hat unsere Analyse am Ende lediglich zwei Indizes herausgefiltert, die sich besonder gut für eine langfristige Geldanlage eignen: Sie sind breit über Unternehmen verschiedener Branchen, Länder und Währungen gestreut und basieren auf einem umfangreichen Auswahlprozess.

Lass uns die zwei Indizes einmal genauer anschauen.


MSCI World Socially Responsible Index (SRI)

Der Index bündelt rund 400 Unternehmen aus den Industrieländern der Welt, die das höchste ESG-Ranking aufweisen.

MSCI beschäftigt ein großes Team aus Analysten, die dieses Rating erarbeiten. Dabei greifen sie auf öffentlich verfügbare Informationen (z.B. Geschäftsberichte oder Medienberichte) zurück.

Die Unternehmen, die am Ende im Index landen, haben neben einem guten Rating auch noch Gewicht an der Börse. MSCI gibt vor, dass die Aktien im SRI 25 Prozent des Börsenwerts des klassischen Index auf sich vereinen müssen.

Umstrittene Branchen scheiden von vornherein aus: Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Waffen, Atomkraft, Pornografie, Gentechnik. Der Anteil US-amerikanischer Aktien lag Ende Februar 2020 bei etwa 61 Prozent, ähnlich hoch wie beim normalen MSCI World Index.


Dow Jones Sustainability Index World Enlarged

Dieser Index bündelt die knapp 600 nachhaltigsten Unternehmen der Welt inklusive Schwellenländer.

Die Auswahl basiert auf einem umfassenden Fragebogen, der auf mehr als 100 Seiten nachhaltige Kriterien abfragt. Analysten bewerten und gewichten diese Kriterien, um einen Nachhaltigkeitsscore zu berechnen.

Die nachhaltigsten Unternehmen werden im nächsten Schritt der Börsennotierung entsprechend absteigend aufgelistet. Anschließend werden nur die 20 Prozent größten Unternehmen der jeweiligen Branche in den Index aufgenommen. Der Anteil US-amerikanischer Aktien hingegen lag im März 2020 bei etwa 49 Prozent.

Im Fragebogen müssen Unternehmen explizit Angaben darüber machen, wie sich Management und Aufsichtsrat zusammensetzen, wie das Unternehmen mit Datenschutz umgeht, ob ausreichend für die Sicherheit der Mitarbeiter gesorgt ist, wie die CO2-Bilanz des Unternehmens aussieht oder ob im Rahmen der Wertschöpfungskette Menschenrechtsverletzungen stattfinden, wie z.B. Kinderarbeit.


Diese Aktien stecken in den Indizes

Die folgende Tabelle zeigt die zehn Unternehmen mit der höchsten Gewichtung, die in den Indizes vertreten sind. Wir zeigen dir die Zusammensetzung im Vergleich zum klassischen Index, der nicht nachhaltig ausgerichtet ist.

Nachhaltiger Dow Jones vs MSCI World

Dow Jones vs MSCI ACWI


Nachhaltige Anlagen: Schwankung und Rendite im Vergleich

Die beiden Indizes MSCI World SRI und DJ Sustainabiliy World Index Enlarged haben jeweils weniger Aktien im Portfolio als ihre klassischen Pendants. Trotzdem war die Volatilität (d.h. Risiko) der Indizes nicht stärker, wenn wir auf den Fünf-Jahres-Zeitraum 2015 bis 2019 blicken.

Der MSCI World SRI hat auf das Jahr gerechnet sogar mehr Rendite erzielt als der „normale“ MSCI World (11,3 zu 10,4 Prozent pro Jahr). Der nachhaltige Dow-Jones-Index liegt dagegen etwas hinter dem MSCI All Countries World Index zurück, der auch Schwellenländer umfasst (9,9 zu 10,1 Prozent pro Jahr).

Die Abweichungen sind jedoch minimal.


Fazit

Aus rein wirtschaftlichen Gründen lohnt es sich nicht, plötzlich zum grünen Anleger zu werden. Im Durchschnitt zeigen wissenschaftliche Studien, dass die historischen Renditen weder höher noch geringer als bei einem konventionellen ETF sind. Es gibt sowohl gute Gründe, die für eine bessere zukünftige Wertentwicklung nachhaltiger Anlagen sprechen, (z. B. regulatorische Vorgaben für Versicherungen, Pensionskassen und andere institutionelle Anleger, zukünftig verstärkt eine nachhaltige Geldanlage umzusetzen), als auch dagegen (z. B. höhere Gebühren).

Nachhaltige Geldanlage kann jedoch eine Gewissensfrage sein. Will ich nicht lieber selbst entscheiden, welche Unternehmen ich mit meinem Geld unterstützen möchte? Finde ich es gut, wenn ich mein Geld mit Unternehmen verdiene, die Waffen herstellen oder Kinderarbeit fördern?  Wer sich daran stört, ist mit einem nachhaltigen Investment gut beraten.

Schließlich geht es beim Investieren darum, sich rundum wohl zu fühlen und möglichst lange dabei zu bleiben.


Über den Autor

Beyond Saving ist eine digitale Plattform mit der Mission, Finanzbildung in Deutschland zu fördern. Dazu vereint die Plattform einen Finanzblog, smarte Finanztools & Online-Kurse an einem Ort, um Menschen den Zugang zur Welt der Finanzen zu erleichtern.

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Hallo zusammen, ich hatte ja hier im Blog auch mal…